Rule of 40: Investieren in erstklassige Technologie-Unternehmen?

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Was ist Rule of 40?

Rule of 40 ist eine Kennzahl, um das Wachstum eines Unternehmens und damit die Güte des Geschäftsmodells einzuschätzen. Die Kennzahl wird auch Bessemer Efficiency Score genannt. Sie wird in Prozent angegeben und errechnet sich aus dem Umsatzwachstum und der Free Cashflow Marge. Für ein Unternehmen und damit für die Investition in die Aktie dieses Unternehmens ist ein möglichst hoher Score wichtig. Ein Beispiel dafür sind erstklassige Technologie-Unternehmen, deren Efficiency Score über viele Jahre mehr als 40 Prozent betragen sollte.
Liegt das Umsatzwachstum eines Unternehmens bei 40 Prozent und beträgt die Profitabilität 0 Prozent, ist dieses Unternehmen vergleichbar mit einem Unternehmen, das ein Umsatzwachstum von 10 Prozent und eine Profitabilität von 30 Prozent verzeichnet.

Diese Regel ist nicht wissenschaftlich belegt. Sie leitet sich aus langjährigen Erfahrungen aus der Praxis ab und hat sich bereits bei zahlreichen Analysen von Wachstumsunternehmen bewährt.

Als Faustregel gilt, dass ein Startup, das im ersten Jahr ein Umsatzwachstum von 100 Prozent erzielt, noch eine negative Cashflow-Rate von 60 Prozent haben darf, um langfristig erfolgreich zu sein. Wichtig ist jedoch, dass der Free Cash Flow ausgeglichen sein muss, wenn das Umsatzwachstum pro Jahr nur noch 40 Prozent beträgt. Um sein Wachstum zu finanzieren, muss ein Unternehmen langfristig ohne externes Geld auskommen.

Berechnung des Rule of 40 Score

Um den Rule of 40 Score für eine Aktie zu ermitteln, musst Du zunächst die jährliche Wachstumsrate des Umsatzes des Unternehmens in Prozent ermitteln. Die Umatz-Wachstumsrate informiert darüber, um wie viel Prozent das Unternehmen seinen Jahresumsatz im Vergleich zum Vorjahr verändert hat.  
Im nächsten Schritt ermittelst Du für dieses Unternehmen die Free Cash Flow Marge für ein Jahr in Prozent. Der Free Cash Flow umfasst die Summe aller Mittel eines Unternehmens, die ihm innerhalb eines Geschäftsjahres nach Abzug aller Investitionen und Ausgaben zur Aufrechterhaltung des operativen Geschäfts zur Verfügung stehen. Die Free Cash Flow Marge drückt das Verhältnis von Free Cash Flow zum Umsatz aus.

Um den Score zu erhalten, addierst Du die beiden Ergebnisse. Liegt der Score dann mindestens bei 40 Prozent, kannst Du der Theorie nach in die Aktie investieren. Das Unternehmen kann dann langfristig rentabel und erfolgreich sein.

Die Formel sieht also folgendermaßen aus:

Rule of 40 Score in % = jährliche Umsatzwachstumsrate in % + jährliche Free Cash Flow Marge in %.

Welches Profitabilitätsmaß wird herangezogen?

Ihren Ursprung hat die Rule of 40 im kalifornischen Silicon Valley, wo sie 2015 erstmals zur Bewertung von SaaS-Unternehmen (Software as a Service) herangezogen wurde. US-amerikanische Kapitalgeber entwickelten diese Formel, um das Ergebnis als Benchmark zu nutzen, ob ihre Investition rentabel sein kann. Ein Beispiel für einen hohen Rule of 40 Score ist NVIDIA, der größte Entwickler von Chipsätzen und Grafikprozessoren weltweit. Damit ein Startup-Unternehmen langfristig erfolgreich sein kann, kommt es auf ein hohes jährliches Wachstum und darauf an, dass dieses Wachstum profitabel ist.

Analysten sind sich nicht einig darüber, welches Profitabilitätsmaß sie für die Berechnung heranziehen sollen. Häufig wird das EBITDA, also der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, herangezogen. Andere Experten bevorzugen den Free Cash Flow (FCF), der sich aus dem operativen Cash Flow zuzüglich dem Cash Flow aus Investitionstätigkeit ergibt. Der Vorteil besteht darin, dass der Free Cash Flow nicht durch Bilanztricks manipulierbar ist. Der Free Cash Flow ist auch eine wichtige Größe, wenn die Dividende für eine Aktie ermittelt werden soll.

Wie können Unternehmen den Rule of 40 Score erfüllen?

Unternehmen, die den Rule of 40 Score erfüllen, müssen ein hohes Wachstum erbringen und gleichzeitig profitabel sein. Einige Unternehmen aus dem NASDAQ Composite, einem Index mit mehr als 3.000 Unternehmen vorwiegend aus dem Technologiesektor, sind ein Beispiel dafür. Ein hohes Umsatzwachstum geht zu Lasten der Profitabilität. Unternehmen müssen investieren, damit sie ein hohes Wachstum erzielen können. Auch verlustträchtige Unternehmen können durchaus ein Wachstum von mehr als 40 Prozent verzeichnen. Es ist nicht sinnvoll, in eine solche Aktie zu investieren, denn bei diesen Unternehmen bleibt die Profitabilität auf der Strecke. Diese Unternehmen investieren zum Beispiel in Marketing und Vertrieb und haben daher kaum einen Free Cash Flow.

Rule of 40 knacken - verschiedene Strategien

Um dauerhaft erfolgreich zu sein, gilt es, den Rule of 40 Score über einen langen Zeitraum zu übertreffen. Die Unternehmen wenden unterschiedliche Strategien an, um zu überleben und den Rule of 40 Score zu schlagen. Bei den meisten Unternehmen, denen das über viele Jahre gelingt, handelt es sich um junge Firmen. Da solche Unternehmen eine starke Wachstumsphase durchlaufen, können sie große Teile ihres Cashflows in die weitere Expansion investieren. Häufig sind diese Unternehmen kaum profitabel.

Allerdings können auch reifere Unternehmen langfristig einen Rule of 40 Score von mehr als 40 erzielen. Sie müssen kaum noch expandieren. Um erfolgreich zu sein und den Score zu knacken, müssen sie profitabel wirtschaften. Solche Unternehmen können zum Beispiel ihre Produkte weiterentwickeln und verbessern. Für Forschung und Entwicklung muss nur noch wenig Geld investiert werden.

Die Rule of 40 bewältigen auch alte, etablierte Unternehmen. Sie haben ein bewährtes Geschäftsmodell. Das Umsatzwachstum ist nur noch gering. Im Gegensatz dazu haben diese Unternehmen einen hohen Free Cash Flow, da sie außerordentlich profitabel wirtschaften.

Um einen Rule of 40 Score von mehr als 40 dauerhaft zu schaffen, müssen Unternehmen ein optimales Verhältnis zwischen Wachstum und Profitabilität finden.

Rule of 40 nach dem IPO

Geht ein Unternehmen an die Börse, sollte es den Rule of 40 Score übertreffen. Investierst Du gleich nach dem IPO in eine solche Aktie, ist nicht garantiert, dass dieses Unternehmen langfristig profitabel ist. Bei den meisten Unternehmen geht der Score in den ersten zwei Jahren nach dem Börsengang um ungefähr 10 Prozent zurück. Die Unternehmen müssen beim IPO einen möglichst hohen Efficiency Score aufweisen. Um eine langfristig gute Börsenbewertung zu erhalten, muss der Efficiency Score dauerhaft hoch sein.

Efficiency Score als Kriterium für die Börsenbewertung einer Aktie

Anders als der ausgewiesene Gewinn lässt sich der Rule of 40 Score kaum manipulieren. Wachstumsinvestoren in den USA verwenden diesen Benchmark daher häufig. Weist ein Unternehmen einen hohen Efficiency Score auf, wird es als überdurchschnittlicher Umsatzmultiplikator an der Börse gehandelt. Oft werden solche Unternehmen auch von den Technologieriesen zu einem strategischen Preis von der Börse weggekauft. Ein Beispiel dafür ist Linkedin, das von Microsoft gekauft wurde. Netsuite ist ein weiteres Beispiel. Das Unternehmen wurde von Oracle gekauft.

Eine Aktie mit einem hohen Rule of 40 Score steht für einen hohen Unternehmenswert, den Enterprise Value (EV). Der Marktwert einer solchen Aktie wird durch kurz- und langfristige Schulden sowie den Cash-Bestand eines Unternehmens bestimmt. Eine Aktie mit einem hohen Efficiency Score gilt zwar als teuer, doch ist sie ihr Geld wert, da sie fair bewertet ist.

In welche Aktien investieren?

Möchtest Du in Unternehmen investieren, die mit dem Rule of 40 Score langfristig erfolgreich sind, musst Du Aktien von sogenannten High-Growth-Unternehmen erwerben, also von Unternehmen mit einem hohen Wachstum. Diese Unternehmen sind durch einen hohen HGI-Score gekennzeichnet. Die High-Growth-Investing-Strategie eignet sich zur langfristigen Investition in Aktien mit einem hohen Wachstum. Solche Unternehmen erzielen eine Rendite von mehr als 25 Prozent im Jahr.

Hier ist eine Auswahl an Aktien, die ein langfristiges Wachstum versprechen:

  • Alphabet (WKN A14Y6F, ISIN US02079K3059), 33,08 Prozent Umsatzwachstumsrate, 26 Prozent Free Cash Flow Marge, Efficiency Score 59, Prozent
  • NVIDIA (WKN 918422, ISIN US67066G1040), 63 Prozent Umsatzwachstumsrate, 28 Prozent Free Cash Flow Marge, Efficiency Score 92 Prozent
  • Qualcomm (WKN 883121, ISIN US7475251036), 62 Prozent Umsatzwachstumsrate, 28 Prozent Free Cash Flow Marge, Efficiency Score 91 Prozent
  • Facebook (WKN A1JWVX, ISIN US30303M1027), 39 Prozent Umsatzwachstumsrate, 30 Prozent Free Cash Flow Marge, 70 Prozent Efficiency Score

Fazit: Rule of 40 als Kennzahl zur Bewertung von Aktien

Rule of 40 ist ein Benchmark, der in Prozent angegeben und durch Addition der Wachstumsrate des Umsatzes innerhalb eines Jahres und der Free Cash Flow Marge innerhalb eines Jahres ermittelt wird. Dieser Benchmark sollte langfristig über 40 Prozent liegen. Will ein Unternehmen erfolgreich sein, muss die Summe aus Umsatzwachstumsrate und Free Cash Flow Marge mehr als 40 Prozent betragen. Ein Beispiel für eine solche Aktie ist NVIDIA mit einem Rule of 40 Score von mehr als 90. Im Laufe der Zeit erzielen die Unternehmen weniger Wachstum, doch arbeiten sie profitabler.

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